Letztes Update: 01.08.2017
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Bericht Sommer 2009

(Autor: Philipp Herzog)

Die Krise stoppt die Fortschritte in Rumänien.

Vor wenigen Tagen bin ich von einem weiteren Besuch aus Meschendorf zurückgekehrt.
Leider musste ich feststellen, dass sich in den letzten sechs Monaten die Situation nicht mehr verbessert, nein eher wieder verschlechtert hat. Die im letzten Jahr neu asphaltierte Strasse nach Meschendorf ist wegen Frostschäden bereits stark beschädigt und eine Brücke stürzt bald ein. Die vor einem Jahr begonnene Wasserversorgung funktioniert noch immer nicht. Es war ein sehr trockener Sommer und es besteht akuter Wassermangel im Dorf. Auch die Schule, welche schon bei unserem Besuch im März in Renovation war, steht noch genau gleich da, obwohl am 15. September der Unterricht wieder angefangen hat. Keine Heizung, kein Wasser, das Dach undicht, die Fassade bröckelt - eine einzige Baustelle, in der sich die Kinder zurechtfinden müssen!
Dies ist nicht nur in Meschendorf so. Iin ganz Rumänien fällt auf, dass vieles still steht. Die Weltwirtschaftskrise hat dieses Land besonders hart getroffen. Sehr viele Leute haben ihre Arbeit verloren und sind auf Sozialhilfe vom Staat angewiesen. Doch dem Staat fehlt das Geld, die EU-Gelder fliessen nicht mehr so zahlreich wie früher.
Die Menschen in Meschendorf freuten sich riesig auf meinen Besuch und erwarteten mich schon am Dorfeingang. Während den ganzen 3 Tagen in denen ich im Dorf war, wurde ich dauernd von Leuten angegangen, die mir ihr Schicksal klagten und um Hilfe baten. Ich habe jedes einzelne Haus im Dorf besucht und mich genau erkundigt und umgeschaut, wie es um die Notlage einer jeden Familie steht. Für fast die Hälfte konnte ich einen Patenbatzen aus Muttenz mitbringen. Die meisten Anderen erhielten einen Betrag von 50 Euro aus dem Spendenfonds. Es gab wirklich viele Sorgen und Nöte die ich anhören musste. Sei es, dass die Leute den Kindern keine Kleider oder Schuhe für den Schulanfang kaufen konnten, dass ihnen ein Tier gestorben ist, sie den Strom nicht bezahlen können, am Haus dringend notwendige Reparaturen anstehen oder sie einfach schlicht zu wenig zu Essen haben. Viele traurige Schicksale habe ich mir angehört und viele unzumutbare Wohnsituationen angeschaut. Ganz zu schweigen von den Krankensituationen. Etliche Leute brachten ihre Krankenunterlagen vom Arzt oder Spital und berichteten, dass sie die notwendigen Operationen nicht bezahlen oder die Medikamente nicht kaufen könnten. Sie alle musste ich an unseren Krankenfonds verweisen, aus der jede Familie pro Jahr gegen entsprechende Beweise, max. 100 Franken beziehen kann. Viele haben ihren Beitrag für dieses Jahr aber schon bezogen und ich konnte ihnen auf Grund unserer beschränkten Finanzmittel nicht weiterhelfen. Besonders tragisch der Fall eines 10-monatigen Mädchens, welches mit einem Loch im Herzen zur Welt kam und dringend operiert werden müsste. Ihm würden wir gerne helfen. Aber auch ein 60 jähriger Mann, dem auf Grund einer schweren Diabetes beide Beine amputiert wurden und der jetzt den ganzen Tag im Bett liegt. Ihm möchten wir einen Spezialrollstuhl kaufen, damit er wenigstens bei gutem Wetter vor dem Haus sitzen kann und mit Menschen in Kontakt kommt. Da es im Haus sieben Treppenstufen, gibt muss zusätzlich eine Rampe gebaut werden, damit ihn seine Frau hinausstossen kann.

Für diese besonders schweren Fälle reicht das Geld aber nicht! Darum bitte Sie an dieser Stelle um eine Spende auf unser Postcheck Nr. 40-24798-6 / Aktion Pro Meschendorf.

Wir danken Ihnen von ganzem Herzen!

Doch auch Positives gibt es zu berichten. Die Microferm läuft bestens und hat im 2009 schon 2500 Euro Plus gemacht. 4 Familien können von der Ferm leben. 8 junge Menschen aus dem Dorf sind in einer weiterführenden Ausbildung oder studieren sogar. Sie werden von uns weiterhin mit 50 Franken pro Monat unterstützt. 28 Kinder gehen in die 1. bis 4. Klasse der Primarschule von Meschendorf  (bei nur einer Lehrerin). 20 Kinder gehen in den Kindergarten und 17 Kinder fahren täglich in die Oberstufenschule in die Stadt. Da unser Schulbus aus Muttenz nach 8 Jahren den Dienst aufgegeben hat und der Staat keine Alternative bietet, werden die Kinder von einem privaten Transportunternehmen aus dem Kreis in die Stadt gefahren. Da die Abonnemente für die Eltern sehr teuer sind, habe ich zusammen mit dem Dorfkomitee beschlossen, diese zu subventionieren - zumindest solange unser Geld noch reicht.
Auch die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Leute war beeindruckend. Viele haben über den Patenbatzen aus Muttenz, oder die 50 Euro die ich ihnen gegeben habe, geweint; haben sich etliche Male bedankt und für die Menschen im fernen Muttenz, die sie auch nach 20 Jahren nicht vergessen haben, gebetet. All das Erlebte hat mir gezeigt, dass ich noch weitermachen muss! Solange ich die Unterstützung von Ihnen noch habe, solange wir noch Spenden bekommen, solange werde ich diese Reisen nach Meschendorf auf mich nehmen, um unseren Paten dort zu helfen. Auch werden wir noch einmal am Muttenzer Markt mitmachen, allerdings nicht am gewohnten Ort, sondern im Zelt der Firma Modeva, welche uns ihren Platz, ganz am Anfang des Marktes bei der Tramhaltestelle, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Auch einen Jubiläums-Diaabend für alle Sympathisanten unseres Hilfsprojektes wird es am Donnerstag 5. November um 19.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Feldreben geben, zu welchem ich ALLE ganz herzlich einlade. Dort werde ich noch einmal die letzten 20 Jahre unserer spannenden Arbeit Revue passieren lassen. Es würde mich sehr freuen, wenn ich Sie an einer dieser Veranstaltungen begrüssen dürfte.