Letztes Update: 01.08.2017
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Sommerprojekte 2006

(Autoren: Fritz Frey und Werner Lüthin)

Es tut sich viel - und es gibt noch viel zu tun!

Die Reise nach Meschendorf verlief gut, das Wetter war schön warm und am Zoll hatten wir keine Probleme.
Bald nach unserer Ankunft wurde der Trommler durch die Strassen von Meschendorf geschickt, um bekannt zugeben, dass die Patenbatzen am Abend verteilt werden. Die Leute freuten sich am Geldkuvert. Für viele die Möglichkeit, wieder einmal Lebensmittel einzukaufen, denn aus dem Garten haben sie nur Mais, Kartoffeln und Gemüse. Das einzige Bargeld kommt bei vielen aus dem bisschen Milchverkauf. Auf das Milchgeld müssen sie aber immer warten, meistens wird es erst nach ein bis zwei Monaten ausbezahlt.
Bei einigen Meschendörflern waren die Spuren des langen Winters immer noch nicht vorbei. Etliche baten um zusätzliche finanzielle Hilfe für Krankenhauskosten und Medikamente oder Geld für Baumaterial um ihr Haus zu flicken. Unsere freien Mittel waren aber beschränkt. Nur da und dort konnten wir mit einem kleinen Zustupf weiterhelfen. Andere mussten wir an den Kranken- und Härtefonds verweisen, der von Muttenz gespiesen und durch die Frau Doina verwaltet wird. Aber auch diese Hilfe ist leider limitiert und reicht nicht aus, um alles abzudecken.
Wirtschaftlich steht es immer noch schlecht in Rumänien, viele haben nichts.
Wir besichtigten unsere Pension Muttenz und die Microfarm und fanden alles in Ordnung vor. Anschliessend schauten wir noch im Kulturhaus vorbei. Dort wurde der Küchen- und Geschirrraum renoviert sowie der Boden und die Wände geplättelt. Das Dach soll auch noch geflickt werden. Der Bürgermeister hat doch etwas für Meschendorf unternommen, ja er hat sogar für eine neue Wasserfassung fürs Dorf bohren lassen. Später gäbe es auch noch eine Kanalisation!
Als Projektaufgabe hatten wir uns vorgenommen, die defekte Staumauer für den Feuerweiher neu und solider zu erstellen. Sand und Zement waren im Voraus besorgt und an Ort deponiert worden. Die Beschaffung von Schaufeln und Schalholz gestaltete sich schon schwieriger.
Vor unserer Ankunft hatte es lange Zeit nicht geregnet, deshalb hatte der Bach wenig Wasser, was unsere Arbeit erleichterte. Schon am ersten Morgen waren unsere zwei treuen Helfer zur Stelle, die uns alle Jahre bei der Arbeit unterstützen und so etwas verdienen können. Wir begannen guten Mutes mit den Vorbereitungen. Das restliche Bachwasser wurde in 2 Röhren kanalisiert und der Mauergrundriss abgesteckt.
Der Bürgermeister vom Distrikt kam gegen Mittag vorbei. Er interessierte sich sehr für unser Projekt und versprach uns Hilfe vom Rathaus. Er werde uns heute noch einen Bagger und eine  Betonmischmaschine organisieren.
Unterdessen flickten wir die Risse im defekten grossen Dorfbrunnen mit Spezialzement. Auch wurden an den andern Brunnen einige defekte Wasserhanen ersetzt, welche wir von Muttenz mitgenommen haben.
Der versprochene Bagger kam leider nicht und so begannen wir mit unseren zwei Helfern das Fundament von Hand auszuheben. Am Nachmittag brachte ein Lastwagen lange  Betonelemente, die wir zur Stabilisierung einbauen wollten. Wir waren um diese Armierungs-Elemente froh, denn wir fanden in der ganzen Umgebung keine Armierungseisen.
Endlich am nächsten Mittag tauchte der Bagger auf und erweiterte das Bachbett im unteren Teil, damit das Wasser gut abfliessen kann. Den Mittelteil der Mauer wollten wir am anderen Morgen mit dem Bagger ausheben lassen. In der Nacht hat es heftig geregnet. Es wurde nichts mit dem Aushub. Wir hatten unterdessen Bretter und Pfosten zum Schalen organisiert. Für das Fundament mussten wir den Zement von Hand anmachen, da noch immer keine Mischmaschine zur Verfügung stand. Der Bagger hat uns die ersten grossen T-Elemente platziert, die wir dann einbetonierten. Am Abend hatten wir mit dem Meschendorf-Komitee eine Sitzung. Dank unserer heftigen Intervention wurde im Dorf doch noch eine Betonmischmaschine gefunden. Am Morgen kamen auch noch zusätzliche Helfer und die seitlichen Mauerteile wurden fast fertig. Leider ging uns der Zement vorzeitig aus. 28 km sind es zur nächsten Verkaufsstelle! Die Strassen sind auch nicht sehr gut, so braucht jede Besorgung viel Zeit. In der folgenden Nacht hat es so heftig geregnet, dass der  Bach stark anschwoll und die Kanalrohre überschwemmte. Es stand unsererseits nur noch ein Tag zur Verfügung, aber wir konnten wegen dem Regen nicht weiterarbeiten. Der Bürgermeister versprach uns die angefangenenen Arbeiten in unserem Sinn und auf Kosten des Staates zu beenden.
Wir hatten noch einige organisatorische Aufgaben zu erledigen. Im Frühling hatte Herr Herzog aus den Spendengeldern verschiedene Leute finanziell unterstützt, damit sie Schäden an ihren Häusern reparieren konnten. Ob diese auch ausgeführt wurden, mussten wir nun kontrollieren und Fotos machen. Auch waren der Zement und das Holz für die Staumauer zu bezahlen. In der Pension wollten wir noch den Küchenboden malen und eine Lampe montieren. Es wurde spät in der Nacht, als wir ans Nachtessen denken konnten.
An unserem Abreisetag schien dann endlich wieder die Sonne. Wie immer blieb beim Abschiednehmen eine Träne in den Augenwinkeln stecken, denn in all den Jahren hat sich eine grosse Freundschaft mit unseren Leuten in Meschendorf ergeben.
Wir hoffen, dass bald unsere angefangenen Arbeiten beendet werden können, damit im Brandfall genügend Löschwasser zur Verfügung steht.
Einiges konnten wir in Meschendorf in all den Jahren schon verbessern. Es ist aber noch ein langer Weg bis es der Bevölkerung einigermassen gut geht.
Ob es Rumänien in die EU schafft, ist noch ungewiss. Sicher profitiert die arme Landbevölkerung nicht viel von diesem Beitritt.
Viele Leute von Meschendorf gaben uns Grüsse an Muttenz mit, die wir so in globo weitergeben möchten.